Yo-Yo 2020: Über Kreise und Kreisläufe

Die vielleicht älteste Tradition bei Phoenix Design trifft auf das neue Ritual, eine moderne Philosophie der Gestaltung. Das Ergebnis ist eine Materialstudie als weiterführender Teil unseres Kaffeesystems nunc.: eine Neuinterpretation des Yo-Yos als Prototyp der Mensch-Produkt-Interaktion.

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  • Text: Florian Czak
    Co-Autorin: Franziska Warnke

    Es ist wohl eine der ältesten Traditionen bei Phoenix Design. Seit 1988 bekommen Praktikant*innen als Abschiedsgeschenk die Aufgabe, ein Yo-Yo zu gestalten. So bietet sich ihnen die Möglichkeit, ein eigenes Projekt im engen Austausch mit erfahrenen Designer*innen umzusetzen und von deren Expertise zu lernen. Schon erstaunlich – über Jahrzehnte hinweg entstanden dabei immer wieder neue Gestaltungsansätze. Obwohl die Aufgabe im Prinzip immer die gleiche war, unterscheiden sich die Ergebnisse deutlich voneinander.

    Das Sommerpraktikum 2020 war besonders. Nicht nur wegen der Pandemie und der damit verbundenen virtuellen Zusammenarbeit – da war auch die Entwicklung des neuen Rituals, einer modernen Designphilosophie, entwickelt von Phoenix Design im Zuge der Konzeption des Kaffeesystems nunc. Doch das neue Ritual beschränkt sich nicht nur auf Kaffee, es geht dabei um ein Mindset: das bewusste Erfahren von Interaktionsprozessen, das erlebbare Zusammenspiel zwischen Mensch und Produkt. So kann das Ergebnis als eigene Leistung zelebriert werden.

  • Auf den ersten Blick erscheinen Yo-Yos als das genaue Gegenteil. Sie sind vermeintlich nutzlos, die Interaktion mit dem Produkt bleibt ohne greifbaren Output. Am Ende steht immer wieder der gleiche Anfang. Dieser end- und ergebnislose Kreislauf beginnt oft mit einem künstlichen Material, konträr zu unserer Auffassung von Nachhaltigkeit. Die Nützlichkeit des Unnützen beginnt an dem Punkt, an dem besagter Produktkreislauf selbst Teil eines größeren Materialkreislaufs wird – wenn also das Yo-Yo selbst aus der Wiederverwertung eines scheinbar nutzlosen Endproduktes entsteht.

    Hier fußt der Gedanke, das Material der Yo-Yos aus einem bereits vorhandenen Rohstoff zu beziehen: Kaffeesatz, das vermeintliche Abfallprodukt und gleichzeitig Ende des zeremoniellen Prozesses der Kaffeezubereitung, bedeutet den Anfang von etwas Neuem. Vielfältig verwendbar und in Unmengen vorhanden stellt er somit eine perfekt geeignete Materialgrundlage dar und wird so selbst von etwas augenscheinlich Nutzlosem zum elementaren Bestandteil eines neuen Produktes. Es schließt sich der Kreis zum neuen Ritual und zum Kaffeesystem nunc.

  • Felix Mattes, Design Business Manager bei Phoenix Design: „Unser größter Impact auf das Klima liegt mit Sicherheit in unserem täglichen Schaffen. Ein Abfallprodukt, wie in diesem Fall der Kaffeesatz, als Rohstoff zu betrachten und im Zyklus zu halten, das heißt, ohne Umwege zu recyceln, empfinde ich auch aus gestalterischer Sicht als äußert attraktiv. Da das Material eine Geschichte aus seinem vorausgegangenen „Leben“ mitbringt. Als Innovatoren und Gestalter von zukünftigen Produkten und Services stehen wir an einer zentralen Stelle: am Beginn eines Produktentwicklungszyklus. Wir haben die Verantwortung und das Ziel - zusammen mit unseren Kunden - zur Lösung der Klimakrise aktiv beizutragen.“

  • Nach Tagen des Probierens und des Experimentierens mit einigen Rückschlägen stehen nun also vier Yo-Yo-Konzepte unserer vier Praktis: The Coffee Classic, basierend auf einem fräsbaren Material aus Kaffeesatz in Kombination mit Stärke, Zellulose, Honig und Wachs. Das Grundmaterial des Washy Washy ist eigentlich eine Seife, die aus der Vermengung des Kaffeesatzes mit Natriumhydroxid und verschiedenen Ölen hervorging. Dann ist da noch der Phoertilizer, eine Yo-Yo-gewordene Samenbombe mit Reis als Bindemittel. Abgerundet wird das Ensemble vom Koffeinfreien, ein digital programmiertes Yo-Yo für unsere immer wichtigere, virtuelle Parallelwelt – wenn auch nicht aus Kaffeesatz, stellt es, ohne physische Präsenz, dennoch eine ressourcenschonende Neuinterpretation des Yo-Yos dar.

    Nachdem das Praktikum also mit dem neuen Ritual begann, endet es in einer Neuinterpretation des ältesten Rituals bei Phoenix – doch damit nicht genug. Der gesamte Prozess der Konzeption der Yo-Yos spiegelt im Endeffekt das neue Ritual wider: eine intensive Auseinandersetzung mit einem Produkt, an dessen Ende ein belohnender Moment steht. Das Yo-Yo ist nämlich keineswegs nutzlos, es illustriert vielmehr prototypisch einen Interaktionsprozess zwischen Mensch und Produkt, während es gleichzeitig einen Moment der Entschleunigung schafft, ebenso wie nunc. Und hier schließt sich der Kreis – vom Heißgetränk zum Material, vom neuen zum alten Ritual, von nunc. zum Yo-Yo. Und wieder von vorne.

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Franziska Warnke Communication Manager
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