Raum für Ungewissheit: Die Infrastruktur von Morgen

Für die Gestaltung der Zukunft in einer sich immer schneller drehenden Welt, ist es womöglich an der Zeit, sich von der Idee des Ist- und Zielzustandes zu verabschieden und Raum für Entwicklung zu schaffen. Auf diese Weise könnten flexiblere Stadtstrukturen und nachhaltigere Produkte entstehen.

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  • Text: Florian Czak
    Co-Autorin: Franziska Warnke

    Für eine lange Zeit des 20. Jahrhunderts galt die autogerechte Stadt als urbanes Strukturmodell der Zukunft. Heute versucht man vielerorts, die Fixierung vom Auto zu lösen – es gibt nachhaltigere, raumeffizientere und schlicht humanistischere Modelle der Mobilität. Doch während sich die gesellschaftlichen Bedürfnisse organisch weiterentwickelt haben, bedarf es nun riesiger Investments und ausgefeilter Strategien, um die autozentrierten Infrastrukturen dementsprechend anzupassen.

    Die urbane Verkehrswende des 21. Jahrhunderts stellt oft, nach dem Vorbild mobiler Pionierstädte wie Utrecht oder Kopenhagen, das Fahrrad ins Zentrum seiner Überlegungen. Die Vorteile gegenüber Automobilen liegen auf der Hand: Es ist umweltschonender, platzsparender und gesünder, sich auf dem Rad durch die Stadt zu bewegen. Und doch ist es nicht zwangsläufig die logische Antwort auf die Mobilitätsfrage – schon allein deswegen, weil die eine Antwort mit Blick auf eine zunehmende Ausdifferenzierung des Marktes nicht existieren kann. Wir können nicht mit Gewissheit sagen, wie sich unser Verhältnis zu Mobilität in Zukunft entwickeln wird. Zudem sind infrastrukturelle Konzepte nicht kopierbar, sie sollten sich immer an den lokalen gesellschaftlichen Bedürfnissen und Entwicklungen orientieren.

    Die Welt ist dynamischer als je zuvor, unsere Gesellschaft befindet sich im ständigen Wandel – und eine Stadt besteht in erster Linie aus den Menschen, die in ihr leben. So wie Utopien im Zuge der Industrialisierung dynamischer und flexibler wurden, muss bei Zukunftsplanungen des digitalen Zeitalters noch mehr Raum für das Ungewisse – also das, was wir heute noch nicht kennen, während es morgen schon ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens sein könnte – geschaffen werden.

    Shared Spaces spiegeln dieses dynamische Denken in Form eines Verkehrskonzeptes wider: Straßen, auf denen jede Art der Fortbewegung gleichberechtigt ist – eine neue und doch irgendwie ganz alte Idee. Auto-, Roller und FahrradfahrerInnen sowie FußgängerInnen und alle, die es noch so gibt und geben wird, begegnen sich auf Augenhöhe. „Rechts vor links“ ist die einzige Regel, die es dabei zu beachten gilt. Nachdem das Konzept in kleineren Städten getestet wurde, könnte es auch bald in Großstädten zur Anwendung kommen – es stellte sich demnach nicht nur als sicherer, sondern auch als Zeiteffizienter heraus. Der Shared Space könnte somit einen antifragilen Ansatz urbaner Verkehrsplanung darstellen: eine Mobilitätsplattform, die Raum für Fortbewegungsmittel lässt, die heute noch nicht eingeplant werden können, weil wir sie noch nicht kennen.

    Als Zukunftsgestalter und Innovatoren ist diese Philosophie natürlich auch für uns als Designstudio von großer Bedeutung. Mit Blick auf den rasanten, technologischen Fortschritt und die Wandlung gesellschaftlicher Bedürfnisse gilt es, Produkten die Möglichkeit zu geben, sich selbst weiterzuentwickeln – auch um unseren Nachhaltigkeitsansprüchen gerecht zu werden und den Produktlebenszyklus entgegen der Beschleunigung unserer Welt zu verlängern. Ist es an der Zeit für einen neuen, organischeren Ansatz der Zukunftsgestaltung? Möglicherweise könnte so eine Herausforderung am Ende zur Chance werden.

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    Franziska Warnke Communication Manager
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