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    Interview Designreport

    Haben Gestalter eine Theorie, die sie in der Praxis weiterbringt? Wo finden kritische Auseinandersetzungen mit Gestaltung heute statt? Für die aktuelle designreport-Ausgabe hat Klaus Meyer sechs Designer nach ihren Positionen zur Designtheorie befragt – auch Joon-Mo Lee, Member of the Board bei Phoenix Design.

    Neben den Designern Barbara Schmidt/Berlin, Harald Gründl/Wien, Inga Sempé/Paris, Erik Spiekermann/Berlin und Stefan Diez/München, stellt sich auch Phoenix Design Strategy Manager Joon-Mo Lee den Fragen des Redakteurs.


    Gibt es eine theoretische Position, die Sie in Ihrer praktischen Arbeit beeinflusst?
    Lee: Maßgebend für unsere Arbeit bei Phoenix Design sind die von Tom Schönherr und Andreas Haug entwickelten Leitbegriffe Logik, Moral und Magie. Logik meint dabei nicht nur die rationale Stimmigkeit eines Produkts, sondern vielmehr eine umfassende kulturelle Sinnstiftung nach der Devise Form Follows Meaning. Moral verweist auf unseren gesellschaftlichen Auftrag als Designer: Wir wollen unsere Verantwortung als kulturelle Mittler nicht missbrauchen, sondern Veränderungen bewirken, die das Leben der Menschen verbessern. Magie schließlich steht für unseren Anspruch, die Menschen mit unserem Design nachhaltig zu berühren. Gerade in einer stark von technologischen Neuerungen geprägten Zeit gilt es Wege zu finden, um Produkterlebnisse menschlicher und emotionaler zu gestalten.

    Warum ist Ihnen der Ansatz wichtig?
    Lee: Theorie und Praxis gehören zusammen. Theorie allein kann die Welt nicht verändern. Und Praxis ohne philosophischen Unterbau läuft Gefahr, bedeutungslos oder richtungslos zu werden.

    Wo findet heute eine kritische Auseinandersetzung mit Design statt?
    Lee: In den Designagenturen zum Beispiel. Auch an den Hochschulen. Insgesamt wird aber in der Industrie immer noch zu wenig über Design und Innovation diskutiert. Diese Begriffe werden zwar wie selbstverständlich im Businessalltag verwendet, aber nur wenige beschäftigen sich damit, was Design konkret für die eigene Organisation bedeutet, worin eine Innovation tatsächlich besteht und welche Konsequenzen ein ernsthaftes Commitment zu Design und Innovation mit sich bringt.

    Welche Aspekte kommen zu kurz in den aktuellen Designdebatten?
    Lee: Definitiv das Thema der Moral. Corporate Social Responsibility sollte nicht nur zum guten Ton einer Corporate Vision gehören. Wir müssen moralische Prinzipien tatsächlich beherzigen, um Innovation und Wachstum human zu gestalten.


    Quelle: Meyer, Klaus (2018): Hand mit Kopf, in: designreport, Ausgabe 4/2018, S. 24-27.
     

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