Design Friends Konferenz in Luxemburg

Am 24.01.2018 war Andreas Diefenbach, Member of the Board bei Phoenix Design, als Gastredner auf die Konferenzreihe der Design Friends ins Museum für zeitgenössische Kunst MUDAM nach Luxemburg geladen. In seinem einstündigen Vortrag zum Thema „The Future of Living“ beschäftigte er sich mit „lebenswichtigen“ Designaspekten.

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  • 1 – Andreas Diefenbach hält seinen Vortrag "The Future of Living" im MUDAM Museum Luxemburg

    1 – Andreas Diefenbach hält seinen Vortrag "The Future of Living" im MUDAM Museum Luxemburg

  • 2 – Andreas Diefenbach, Design Business Manager und Mitglied der Geschäftsleitung von Phoenix Design

    2 – Andreas Diefenbach, Design Business Manager und Mitglied der Geschäftsleitung von Phoenix Design

    Andreas Diefenbach (*1979) ist Design Business Manager und Mitglied der Geschäftsleitung bei Phoenix Design in Stuttgart/Deutschland. Als Spezialist für die Sanitär- und Investitionsbranche betreut er internationale Marken im Innovationsprozess. „Wir sind sinnliche Wesen. Die Menschen wollen ihre Umwelt rational und emotional erleben und begreifen. Der Wesenskern echter Innovation dient und dominiert nicht. Deshalb muss man erst den Menschen kennenlernen. Design ist der Sinngeber einer technologischen und soziokulturellen Entwicklung.“ Für unseren langjährigen Kunden Hansgrohe SE übernimmt er die Projektleitung im Bereich Armaturen. Seine Expertise erstreckt sich bis hin zum Business and Strategy Management. Zusätzlich ist Andreas Diefenbach für das Client Management bei Phoenix Design verantwortlich und engagiert sich intern als Mitglied des Innovation and Academy Lab für neue Ideen und Designkonzepte.

  • 3 – Phoenix Design als 42. Konferenzpublikation

    3 – Phoenix Design als 42. Konferenzpublikation

    Phoenix Design folgt 41 international bekannten Designern und Gestaltungsbüros, welche die Design Friends Konferenz schon begleitet haben, mit einer eigenen Konferenzbroschüre. Namhafte Designer wie Christoph Niemann, Stefan Diez, Erik Spiekermann und Sam Hecht standen im MUDAM Museum in Luxemburg ebenfalls schon auf der Bühne.

  • 4 – Design Friends Konferenzbroschüre

    4 – Design Friends Konferenzbroschüre

    Begleitend zum Konferenzvortrag von Phoenix Design wurde eine Begleitbroschüre von Design Friends Luxemburg veröffentlicht mit einem Interview von Andreas Diefenbach, Phoenix Design. Diese Broschüre gibt es immer zum jeweiligen Referenten. Gerne senden wir ihnen die Broschüre zu Phoenix Design zu. Bitte anfordern unter Enable JavaScript to view protected content.

Die Welt verändert sich, aber einige Dinge werden sich nie ändern: das Bedürfnis nach Obdach, Nahrung, Wasser, Wärme, Sicherheit, Ruhe und Licht. Diese Existenzgrundlagen werden weiter das Leben der Menschen bestimmen. Die Zivilisation hat es weit gebracht, aber es gibt immer noch Unzähliges, was für so viele Menschen auf der Welt besser sein kann. Angesichts der massiven Verstädterung, der Ressourcenknappheit und der aufkommenden technologischen Standards, entwickeln sich unsere Bedürfnisse nach Leben und Wohlbefinden stetig weiter. Als Designer sind wir verantwortlich, unsere Welt, in der wir leben, neu zu erfinden.

Wir bei Phoenix Design glauben, dass wir der Menschheit am besten dienen können, indem wir uns auf die wesentlichen Dinge konzentrieren, die immer zählen werden: den Weg zu finden, Herausforderungen im täglichen Leben klug, intelligent und sinnvoll zu bewältigen und zu gestalten. Im Interview mit Mark Penfold von Design Friends, geht Andreas Diefenbach ins Detail.


Auszug aus der 42. Konferenzbroschüre mit Design Friends. Das gesamte Interview mit Andreas Diefenbach kann angefordert werden unter: Enable JavaScript to view protected content..


Also bleibt das Zuhause zentral bei der Arbeit, die Phoenix leistet? Ja, deshalb habe ich meinen Vortrag im Mudam "Die Zukunft des Lebens" genannt. Dies ist eine der Hauptquellen für den Erfolg von Phoenix Design. Wir haben diese starke Philosophie. Mensch sein. Viele namhafte Designer nahmen hier ihren Anfang. Wir wollen eine starke Marke für unsere Kunden sein, aber auch ein gutes Unternehmen, eine positive Marke in der Community.

Das ist ungewöhnlich sozial gesinnt. Seit Beginn haben wir drei Wörter, die unsere Philosophie erklärt: Logik, Moral und Magie. Wenn Sie diese drei Wörter verstehen, können Sie verstehen, wie wir denken.

Können Sie das erklären? Die Welt da draußen, genauso wie das Design, ist etwas Logisches. Man muss Logik anwenden, um zu entscheiden wie die Zukunft aussehen wird, was das für das Produkt bedeutet? Man muss zuerst nachdenken. Nicht skizzieren, sondern denken.

Woher kommen die Moral? Moral ist ein starkes Wort. Eigentlich sind sie es alle, aber dieses eine bedeutet, dass wir Probleme auf eine gute und hilfreiche Weise lösen, dort draußen in der Welt. Auf eine alltägliche Art und Weise. Keine BS. Ein Produkt sollte ein Problem lösen und innovativ sein. Es sollte nicht nur ein One-Hit-Wonder sein. Es sollte mehrere Jahre überdauern. Es muss gut gemacht sein, langlebig.

Aber wie kommt die Magie ins Spiel? Die Herausforderung der Zukunft, des Designs, ist die Erwartungen der Menschen aufzudecken und Lösungen zu schaffen, die Probleme auf neue Art und Weise lösen. Denn die Probleme sind immer dieselben: Du bist hungrig oder durstig. Menschen verändern sich nicht so schnell wie die Technologie. Problemlösung, kombiniert mit neuer Technologie. Das ist Innovation, aber die Probleme sind die gleichen.

Woher wissen Sie wo anfangen? Forschung steht an erster Stelle. Es geht darum, die Gewohnheiten der Menschen zu beobachten. Sie könnten sich mitten in einer Stadt hinsetzen und das Verhalten der Leute analysieren. Wie interagieren sie in unterschiedlichen Situationen mit unterschiedlichen Produkten?

Hansgrohe hat in der Geschichte von Phoenix Design eine wichtige Rolle gespielt, nicht wahr? Hansgrohe ist einer unserer wichtigsten Kunden. Wir haben von Anfang an für sie gearbeitet. Seit dreißig Jahren! Wir sind wie ein internes Designteam, aber nicht wirklich "in-house". Ich denke, das ist ein wichtiger Faktor für unseren gemeinsamen Erfolg. Es ist eine strategische, langfristige Beziehung. Viel mehr als die typische Designagentur, die ein Projekt macht.

Haben Sie ein Lieblingsprojekt aus Ihrer Arbeit mit Hansgrohe? Die Armaturenlinie AXOR Uno. Zu Beginn von Phoenix Design, 1987, entwarf Tom Schönherr die erste Edition. Sie wurde in den 90er Jahren neu gestaltet und jetzt habe ich an der dritten Generation gearbeitet. In ihrer Entwicklung ist diese Linie immer wichtiger geworden. Und jetzt, kombiniert mit einer Gold- oder Kupferoberfläche, ist sie eine wirklich schöne Mischung aus Purismus und Luxus.

Sie suchen nach dem "Ideal"? Sie können es in der Musik, in der Kunst, beim Kochen beobachten. Es geht nicht darum zu essen, weil du hungrig bist, es geht darum aufzuhören mit essen, wenn du es in deinen Mund legst und sagst: "Wow, was ist das?" Das ist in der Musik, in der Kunst und natürlich im Design dasselbe.

Hört es mit dem "Wow" auf? Wir sprechen immer über die erste, zweite und dritte Lesart.

"Wow" ist nur die erste? Es ist ganz einfach. Stellen Sie sich vor Sie gehen in eine Bar, sehen eine hübsche Frau und denken 'wow, sie ist wunderschön, ich muss mit ihr reden'. Ihr erster Eindruck wirkt ab zehn Metern. Das ist die erste Lesart. Sie bewegen sich näher, und das ist die zweite Lesart. Sie fangen an zu reden, Sie hören sie reden, ihre Geschichte und durch den Abend verlieben Sie sich. Die dritte Lesart ist die wichtigste. Jahre mit dieser Frau verbringen, heiraten, Kinder kriegen und nach zehn Jahren sind Sie immernoch in diese Person verliebt.

Die dritte Lesart mit einem Produkt zu schaffen muss selten sein? Die dritte Lesart ist geschafft, wenn Sie ein lang verkauftes Produkt mit Ihren Kunden auf dem Markt haben. Wir haben die Caro-Linie für Duravit in den 90er Jahren entwickelt. Sie produzieren diese Linie noch heute und sie ist immer noch erfolgreich. Ein Evergreen.

Wie reagieren Kunden, wenn Sie etwas ganz Radikales vorschlagen? Der Research ist dafür entscheidend. Er hilft uns, ein gutes Argument parat zu haben! Manche denken, dass ein Designer mit Papier und Stift kommt, einige Zeichnungen macht und sagt: "Es ist wunderschön und ich glaube, es wird funktionieren." Vielleicht war das früher einmal der Fall, aber heutzutage wird der Kunde fragen: "Warum sollte ich dir glauben? Bitte zeigen Sie mir, warum diese oder jene Form, oder Design, die "richtige" Lösung ist. Es dreht sich nicht alles um Schönheit, sondern um "richtig" für heute und morgen zu sein.

Ein emotionaler Appell allein ist also nicht gut? Nein. Magie alleine reicht nicht aus, es muss auch logisch sein.

Was sind die neuesten Lektionen für Produktdesigner? Für mich geht es darum, zu verstehen, wie digitale Themen die Dinge beeinflussen. Als Produktdesigner lernen Sie, mit Software 3D-Objekte zu erstellen. CAD und so weiter. Es ist ein großartiges Tool, aber auf der anderen Seite wird Produktdesign mehr zu einem analytischen Prozess, der sich an der Grenze zwischen digitaler Erfahrung und physischem Produktdesign bewegt.

Und wie sehen diese Grenzen aus? Es gibt keine Grenzen mehr! Um ein Produkt zu nutzen, gibt es ein Interface, aber in Zukunft haben Sie möglicherweise nicht einmal mehr ein Display. Sie können zum Beispiel mit Ihrer Stimme interagieren. Die Themen wandeln sich ständig.

Wie unterscheiden sich chinesische Konsumenten von deutschen? Die chinesische und deutsche Kultur teilen die gleiche Art von logischem Denken. Ich habe viel Erfahrung in der Präsentation neuer Designs in beiden Ländern. Und man muss immer argumentieren, warum etwas gut ist. Welches Merkmal ist wichtig und so weiter. Und am Ende der Präsentation müssen wir die Schönheit zeigen. Also als erstes die Logik, dann das 'Wow'.

Die Unterschiede sind also garnicht so groß? Nein, aber chinesische Nutzer mögen meist ein bisschen mehr Status. Nicht den "bling-bling"-Status, um zu zeigen, dass sie reich sind. Vielmehr sind sie sehr aufgeschlossen und interessiert an der Zukunft, an der Spitzentechnologie. Die Produkte müssen wie intelligente digitale Produkte aussehen. Das ist beispielsweise viel wichtiger als in Deutschland.


Design Friends ist eine gemeinnützige Organisation, die sich nicht nur an Profis wendet, sondern den Dialog mit allen Menschen sucht, die Design lieben. Durch Ausrichtung von Konferenzen und Ausstellungen, das Veröffentlichen von Zeitschriften und vielem mehr ist Design Friends in den letzten Jahren zu einer lebendigen Plattform für Themen rund um Design in Luxemburg geworden. Namhafte Gestalter haben bereits bei Design Friends Luxemburg referiert – z.B. Ruedi Baur, Uwe Brückner, Stefan Diez, Erik Spiekermann, Andreas Uebele u.v.a.m. – www.designfriends.lu